https://dc0rb.darc.de/

 

2026-10-11 Hilfe, mein SSB-Signal klingt "gepresst" - nach Meinung anderer OMs

 

Heute erlebte ich wieder mal ein Highlight an Subjektivität/Vorurteilen/Empfangsproblemen.

 

Angeblich wäre mein SSB-Signal "gepresst", was immer das auch ist. Das behaupteten 2 OMs, einer nur weinige km von mir entfernt, der andere ca. 80 km entfernt.

 

Der OM, der nur wenige km von mir entfernt ist, kam bei mir stark schwankend nur mit S3 bis S6 an, obwohl er angeblich 10 W Sendeleistung an einer vertikalen Außenantenne hatte, außerdem war sein Signal nach meiner Wahrnehmung verzerrt.

Ist das nicht etwas merkwürdig?

Normalerweise müsste er bei mir mit S9++ ankommen.

Der 80 km entfernte OM kam bei mir mit S9 und die Modulation war in meinen Ohren klar.

 

Beide behaupteten, dass mit meinem Signal etwas nicht stimmt!

Ich solle mal den Dynamikkompressor ausschalten - Hi - der war gar nicht eingeschaltet.

 

 

Ab da habe ich sie aufs Glatteis geführt:

Ich sagte, dass ich jetzt einen anderen TRX (FT-897) einschalte, in Wirklichkeit habe ich nur die Antenne gewechselt!

10 Element Yagi (horizontal) auf HB9CV (vertikal).

Beide waren dann der Meinung, dass es jetzt in Ordnung sei.

Sehr lustig! Ich hatte nur die Antenne bzw. Polarisation gewechselt!

 

Damit war eigentlich schon bewiesen, dass das mit dem "gepressten Signal" einen anderen Grund haben musste!

 

 

Um die Sache ein für alle Mal zu klären und zu beweisen, habe ich diese subjektive Wahrnehmung auf eine messtechnische Ebene gehoben.

 

Messaufbau:

 

 

Die Messung im Einzelnen:

 

W&G SPM-11, 1000 Hz mit Ausgang zum 1. Kanal des Oszilloskop und parallel zum Akustik-Koppler.

 

 

 

Mein Akustik-Koppler bestand aus einer Hörkapsel und dem Funkgeräte-Mikrofon. (Siehe auch OM DL1MM https://www.youtube.com/@michalzi)

Somit waren alle relevanten Komponenten enthalten, sogar die Unlinearität des Mikrofons.

 

 

 

Vom Mikro ging es über den Dynamik-Kompressor zum Transceiver IC-271E. HF-Aussteuerung volle 25 W. Kompressor war ausgeschaltet!

 

 

 

Als Empfänger benutzte ich den FT-818. Lautsprecherausgang auf einen 8 Ohm Widerstand und weiter zum 2. Kanal des Oszilloskop.

 

 

 

Das Oszilloskop, unten das direkte Signal (1000 Hz) vom SPM-11, oben das Signal vom Lautsprecherausgang des FT-818.

 

 

Und was sehen wir da liebe "gepresste" OMs?

 

Auch auf der RX-Seite kam ein schöner Sinus heraus!!!

 

Nichts wurde hier "gepresst"!!!

 

Das RX-Signal leitete ich auch auf den R&S FAM, der den Klirrfaktor bestimmte.

 

 

Auch der FAM stellte fest, dass da nichts "gepresst" ist!

1,25 % Kirrfaktor bei HF-Vollaussteuerung!

 

Wir sind hier beim Amateurfunk auf SSB und nicht in einem HiFi-Studio oder in einer Aufführung von klassischer Musik im Konzertsaal!

 

Das sagt Dr. Google zur Wahrnehmung von Klirren:

 

 

 

Sogar das Zuschalten des Kompressors brachte keine nennenswerte Verschlechterung des Klirrfaktors.

 

 

1,56 % Klirrfaktor mit eingeschaltetem Kompressor!

 

 

Auch mit eingeschaltetem Kompressor und der PA (Reis TR 10-80) ergab sich kein nennenswert höherer Klirrfaktor.

 

 

 

1,58 % Klirrfaktor mit eingeschaltetem Kompressor und eingeschalteter PA!

 

 

Zum Schluß noch ein Spielchen mit 2 NF-Frequenzen, 800 Hz + 1000 Hz

 

 

Da tat sich das Oszilloskop schwer beim Triggern.

Aber trotzdem sah man, dass es keine Verzerrungen gab.

 

 

Fazit:

 

Die Wahrnehmungen der OMs hielten einer messtechnischen Überprüfung nicht stand und waren somit rein subjektiv

und/oder

die Ausbreitungsbedingungen durch Mehrwegeempfang führen zu einem höheren Klirrfaktor

und/oder

die Empfänger der OMs erzeugten einen höheren Klirrfaktor.

Oft sind in den RX nicht die linearsten NF-Verstärker/Lautsprecher verbaut. Bei 1 W Ausgangsleistung habe ich schon Klirrfaktoren von bis zu 3 % gemessen.

 

Zukünftig werde ich bei solchen Behauptungen objektive Beweise, wie ein Foto vom Oszilloskop/Klirrfaktormessgerät oder wenigstens eine Video/Audio-Aufnahme einfordern.

Zur Messung bin ich gerne bereit einen 1000 Hz Sinus zu senden.

 

Folgerung:

Mit Schuldzuweisungen an den sendenden OM sollte man vorsichtig umgehen, denn das Problem könnte auch auf der Empfangsseite liegen!

 

Insgesamt sollte man auch berücksichtigen, dass es sich hier um kein HiFi-Signal handelt, sondern um SSB im Amateurfunk!

 

 

 

Update 1

 

Ein gutes Beispiel für selbst verschuldete Zerzerrungen auf der RX-Seite:

 

Wir waren zu Zweit bei einer SOTA-Aktivierung auf dem Berg und benutzten den TRX vom Funkkollegen.

Die ersten QSOs liefen ganz gut, aber dann hat uns eine starke Station kontaktiert. Das hatte Folgen.

Wir konnten die Station fast nicht verstehen, so überlaut und verzerrt kam das Signal aus dem Lautsprecher.

 

Ich hatte gleich den richtigen Riecher und meinte, gehe mal ins Menü und schaue, was da bei der AGC eingestellt ist?

Es stellte sich heraus, dass die AGC ausgeschaltet war!

 

Wenn die AGC ausgeschaltet ist, werden bei starken Stationen von der Eingangstufe über den Mischer bis zur ZF alle Teile des RX übersteuert.

Ganz klar, dass das zu Verzerrungen führt.

 

Natürlich hätten wir zu unrecht auch über die Gegenstation schimpfen können und sie beschuldigen, dass da am TX etwas nicht stimmt, weil unser Gerät das aller-aller-beste ist und wir absolut fehlerfrei sind.

 

  https://dc0rb.darc.de/